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Bestatter Eric Wrede unterstützt "Handwerk mit Verantwortung"

Nachhaltiges Wirtschaften unter verantwortungsvollen Bedingungen


Eric Wrede - Bestatter
Eric Wrede ist Bestatter bei "lebensnah"-Bestattungen in Berlin. Seinen alten Beruf hat er aufgegeben, um seine Idee von einem persönlichen Bestattungsinstitut umzusetzen. Im Mittelpunkt steht für ihn die Begleitung der Angehörigen über den gesamten Prozess der Abschiednahme. Sein Handwerk erlernte er in einem traditionellen Berliner Bestattungshaus.

Seit kurzem ist er Mitglied bei "Handwerk mit Verantwortung". Der 2015 gegründete, gemeinnützige Verein stellt für Kunden eine Hilfe bei der Suche nach verantwortungsvoll arbeitenden Unternehmen dar und zeigt den Weg zu nachhaltigen Produkten. Die Betriebe des Netzwerkes beziehen ihre Materialien und Betriebsmittel verantwortungsvoll, d.h. unter Berücksichtigung ökonomischer, ökologischer und sozialer Gesichtspunkte.

Im folgenden Interview erläutert Wrede, der auch Aeternitas-Mitglied ist, warum er als Bestatter ein "Handwerk mit Verantwortung" ausüben möchte.

Als Bestatter bei "lebensnah"-Bestattungen verfolgen Sie ein unkonventionelles Konzept, das sich von vielen traditionellen Instituten abhebt. Nach eigener Aussage wollen Sie vieles anders machen und den Abschied persönlicher und individueller gestalten. Wie sind die Reaktionen - der Kunden auf der einen Seite und der Branche auf der anderen?

Wrede: Grundlegend muss man erklären, dass wir uns von dem Konzept des Verkaufens verabschiedet haben. Zum einen glauben wir, dass die Beziehung zu den Trauernden gestört wird, wenn der Gedanke im Hinterkopf ist, mein Gegenüber möchte etwas verdienen an den Produkten. Und zum anderen, wahrscheinlich der wichtigere Teil, ist es fantastisch zu sehen, was plötzlich in den Fokus rutscht, wenn man nicht mehr in erster Linie beim Bestatter ist, um Sarg, Urne und Blumen auszusuchen. Die Reaktionen sind insofern wunderbar, als dass jeder so den Abschied bekommt, den er wirklich möchte, und nicht den, an dem wir am meisten verdienen.
Was die Branche sagt, wissen wir nur zum Teil. Aber was wir sehen, sind die Zuwachsraten der Individualbestatter, vor allem wenn sie sich so ganzheitlich aufstellen wie wir. Wir bieten eine Rund-um-Betreuung, die auch die anschließende Trauerarbeit mit einschließt. Die meiste Kritik seitens der Branche gilt sicherlich dem Fakt, dass man bei uns Produkte zum Einkaufspreis erhält und damit die zum Teil absurd hohen Margen auf Produkte öffentlich werden. Nun muss man aber sagen, dass wir auch nicht billiger als andere sind, aber einen immens höheren Zeitumfang in der Betreuung haben. Wir verbringen direkt mit den Hinterbliebenen im Schnitt 15 bis 20 Stunden im Rahmen der Begleitung. Ich bekomme häufig Reaktionen von Menschen, die vorher in einem klassischen Haus waren, dass sie es sich gar nicht mehr anders vorstellen können als diese integrierende Arbeit wie bei uns.

Auch beim Thema Nachhaltigkeit nehmen Sie eine Vorreiterrolle ein. Sie sind als erster - und bisher einziger - Bestatter Mitglied im Verein "Handwerk mit Verantwortung". Dazu eine grundlegende Frage: Inwieweit würden Sie Ihre Tätigkeit als Handwerk einordnen?

Wrede: Bestattungen sind natürlich nur zum Teil Handwerk. Wir legen auch eher auf die psychologische Weiterbildung wert als auf den handwerklichen Teil. Aber vor allem, was das Erstellen von Produkten (Särge, Urnen, Steine) betrifft, sind wir die ersten Ansprechpartner für die Trauernden und somit in vielen Teilen auch Handwerker und Vermittler von Handwerk. Und hier fungieren als Richtungsweiser und Berater.
Mein Lieblingsbeispiel sind Grabmale. Wenn man jemandem einmal erklärt hat, wie ein Stein für 500 Euro überhaupt finanziert werden kann, dann nimmt er eher gar keinen Stein oder macht etwas Eigenes, bevor er die teilweise unmenschlichen Bedingungen in den Steinbrüchen unterstützt. Diese Entscheidung nehmen wir den Trauernden bei Produkten wie Urnen oder Särgen aber indirekt ab, indem wir nichts anbieten, das nicht nachhaltig produziert worden ist. Gleiches gilt für Krematorien. Wir arbeiten nur mit Krematorien zusammen, die eine im Gegensatz zur Gesetzgebung strengere Selbstverpflichtung für den Umweltschutz mittragen.

Warum liegt gerade einem Bestatter das Thema Nachhaltigkeit besonders am Herzen?

Wrede: Nachhaltigkeit liegt uns nicht als Bestatter, sondern als Menschen am Herzen. Ich möchte keine Dienstleitung anbieten, bei der zuvorderst Menschen ausgenutzt werden durch Lohndumping oder ähnliches. Ich möchte keine Produkte anbieten, die nicht aus ökologisch und ökonomisch verantwortungsvollen Betrieben stammen. Das ist häufig leider nicht transparent, selbst für uns als Bestatter. Zum Beispiel die Frage, wo ein Sarg hergestellt wird und unter welchen Bedingungen. Aber wir geben unser bestes, die Entstehungskette nachzuvollziehen.

Wodurch zeichnet sich verantwortliches Wirtschaften als Bestatter in der Praxis aus?

Wrede: Da sehen wir drei Ebenen: 1. Verantwortung gegenüber dem Kunden durch transparente Preise und Schutz vor fragwürdigen Produkten, wie Diamantbestattungen oder ähnlichem. Ich erkläre den Trauernden, dass ich wie bei einem Handwerker kalkuliere. Im Schnitt sind wir bei 89 Euro pro Stunde, die wir tätig sind, allerdings als Paketpreis. Das ist für jeden, den wir begleitet haben, nachvollziehbar und ehrlich.
2. Umgang mit Gewerken und Mitarbeitern. Wir wissen, an wie vielen Stellen in unserem Bereich nur der gesetzliche Mindestlohn gezahlt wird. Von Arbeit muss man leben können und das bitte an jeder Stelle der kompletten Arbeitskette. Wir arbeiten ausschließlich mit Familienbetrieben, deren Mitarbeiter zum Großteil eher als Familie denn als Kollegen gesehen und auch über den Mindestlohn vergütet werden. Wir wissen, was grob bei unseren Partnern gezahlt wird. Der einzige Punkt, wo wir keinen Einblick haben ist die Arbeit auf den Friedhöfen.
3. Die Verantwortung gegenüber Umwelt und Natur ist auch eine wirtschaftliche, denn die Kosten tragen wir indirekt später mit.

Was können Kunden tun, denen bei der Bestattung nachhaltige Produkte und verantwortungsvolle Arbeitsbedingungen wichtig sind?

Wrede: Das ist ein schwieriges Feld, da verlässliche Standards fehlen. Es gibt kein Prüfsiegel oder ähnliches für die komplette Kette an Produkten und Dienstleitungen. Zumeist basiert alles, wie bei uns, auf Selbstverpflichtung. Es ist auch schwierig, im akuten Trauerfall diese Themen mit zu beachten. Aber im Rahmen einer Vorsorge kann man das natürlich ansprechen und sich erläutern lassen. Leider ist die ganze Thematik in der Branche noch nicht angekommen - was aber auch zu unserem Engagement bei "Handwerk mit Verantwortung" geführt hat. Einer muss die ersten Zeichen setzen.

Viele Menschen halten nachhaltige Produkte für besonders teuer. Trifft dies beim Thema Bestattung zu?

Wrede: Ganz im Gegenteil. In der Einfachheit liegt bei Bestattungen häufig auch ein geringerer Preis. Ein teurer Eichensarg kostet das Vielfache eines schlichten Rohholzsarges, eine Dekoration, die nicht am nächsten Tag weggeworfen werden muss, kostet weniger als das Blumenmeer. Am Ende wird man die Kette der Nachhaltigkeit natürlich nie ganz schließen können. Alleine die Debatte, was ökologisch verantwortungsvoller ist, eine Verbrennung oder die Sargbeisetzung, sprengt die Dimensionen dieses Interviews.

Kontakt:

"lebensnah"-Bestattungen:
E-Mail: kontakt@lebensnah-bestattungen.de
Internet: www.lebensnah-bestattungen.de

"Handwerk mit Verantwortung":
E-Mail: info@handwerk-mit-verantwortung.de
Internet: www.handwerk-mit-verantwortung.de




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30.06.2017
Quelle: Bestatter Eric Wrede unterstützt "Handwerk mit Verantwortung"
http://www.aeternitas.de/inhalt/aktuelles/meldungen/2017_06_30__14_15_44-Bestatter-Eric-Wrede-unterstuetzt-Handwerk-mit-Verantwortung/show_data