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HANDWERK MIT VERANTWORTUNG

"ZeitzeicheN 2017" - Wir sind Preisträger

Laudatio

Passt es in unsere Gesellschaft, auf Kosten anderer zu leben? Nein? Und wie merken wir eigentlich, dass wir auf Kosten anderer leben? Vielen in Deutschland - nicht allen – geht es heute materiell so gut wie nie zuvor, so hören wir immer wieder. Wohlstand und gutes Leben haben ihren Preis, so wissen wir. Oder wir wissen es nicht genau, oder wir wollen es nicht so genau wissen. Eventuell ahnen wir es, wenn wir konsumieren. Die Ausbeutung von Menschen und Ressourcen in anderen Teilen der Welt oder die Erzeugung von klimaschädlichen Emissionen und vieles mehr kommen in den Preisen vieler Produkte oder Dienstleistungen, die wir besitzen oder beanspruchen, nicht vor. Die individuelle Kaufentscheidung wird von einem Preis geleitet, der das große Ganze allzu oft nicht abbildet. Politologen und Soziologen sprechen in diesem Zusammenhang von der Externalisierungsgesellschaft oder von imperialer Lebensweise. Umweltökonomen fordern daher, externe Effekte zu internalisieren, damit die Gesellschaften des globalen Südens nicht länger die negativen Effekte der Gesellschaften des globalen Nordens tragen müssen. Was bedeuten diese globalen Zusammenhänge für uns? Wird bei uns, im eigenen Land, fair, sozial gerecht, nach ökologischen Prinzipien und frei von Diskriminierung produziert? Was können wir selbst dazu beitragen, künftig nicht auf Kosten anderer zu leben?

Der "Blick über den Tellerrand" und Transparenz über Bestandteile und Lebensweg von Waren und Dienstleistungen – das sollte selbstverständlich sein bei Beziehungen, die Produzenten und Konsumenten eingehen. Bewusst und fair produzieren und bewusst einkaufen sind jedoch kein Selbstläufer. Daher braucht es das besondere, das bewusste Engagement für Veränderung in Nachfrage und Angebot. Wie geht das konkret? Eine Reihe von Handwerksbetrieben hat sich zusammengetan, um ökologisch und sozial gerecht zu wirtschaften. Sie folgen gemeinsamen Leitprinzipien wie Achtung der Natur sowie Beachtung des Vorsorgeprinzips, Achtung und Förderung von Mitmenschen, Transparenz, Ehrlichkeit, Offenheit, keine Bestechlichkeit, Qualität im Handwerk, Produktion im heimischen Betrieb. Waren und Dienstleistungen entstehen hier ohne lange Transportwege, aus heimischer Produktion, ohne Rohstoffe aus Kinder- und Zwangsarbeit in Entwicklungs- und Schwellenländern, in hoher handwerklicher Qualität, fair gegenüber Mitarbeiter/innen.

Kurzum: hier geht es um Handwerk mit Verantwortung!

Unter den 25 Mitgliedsunternehmen von "Handwerk mit Verantwortung e.V." befinden sich Zimmerer, Bäcker, Steinmetze, Hersteller von Schmuck und Mode, Bildhauer und Bestatter. In diesen Unternehmen wird Nachhaltigkeit gelebt, indem nachhaltig produziert wird. So werden nachhaltige Produkte und Dienstleistungen an die Kund/innen gebracht.

Verantwortung zu übernehmen und Produkte und Dienstleistungen wertzuschätzen sind zentrale Herausforderungen, wenn Nachhaltigkeit in unserem Lebensalltag Fuß fassen soll. Unser aller Konsum zählt dazu, täglich. Wir haben die Wahl, dieses in verantwortungsvoller Weise zu tun. Die Mitgliedsunternehmen von "Handwerk mit Verantwortung e.V." ermöglichen uns das. Wir verstehen das als Aufforderung. Entscheiden wir uns dafür! Tragen wir die Botschaft weiter, damit weitere Betriebe den guten Beispielen folgen, denn wir brauchen mehr davon! Für mehr Handwerk mit Verantwortung! Und vor allem: für Konsum mit Verantwortung und Verstand!

Wir gratulieren dem Preisträger "Handwerk mit Verantwortung e.V."!

Laudator: Thomas Preuß | Deutsches Institut für Urbanistik


Timothy Vincent (re) nimmt Preis und Urkunde entgegen