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Mit Engagement fürs Ehrenamt begeistern

Der Treffpunkt Ehrenamt NRW fand zum zweiten Mal auf Schloss Raesfeld statt


Handwerksblatt
Beim zweiten Treffpunkt Ehrenamt Handwerk NRW des WHKT berichteten Handwerker von ihren ehrenamtlichen Tätigkeiten außerhalb der Handwerksorganisationen.

Draußen flanierten Hochzeitsgesellschaften, die die Kulisse von Schloss Raesfeld im Münsterland nach der Trauung für ihre Fotos nutzen. Drinnen, im übervollen eleganten weißen Festzelt, applaudierten die Teilnehmer des zweiten "Treffpunkt Ehrenamt Handwerk NRW" des Westdeutschen Handwerkskammertags (WHKT) der Talkrunde, die – stellvertretend für so viele Engagierte – eine große Bandbreite an freiwilligem gesellschaftlichem Einsatz verkörperte. Diese Menschen seien wichtige Vorbilder, sagte NRW-Wirtschafts- und Handwerksminister Garrelt Duin (SPD) in seiner Begrüßung. Er hatte vor einiger Zeit angeregt, das ehrenamtliche Engagement der Handwerker in NRW einmal im Jahr in einer besonderen Veranstaltung zu würdigen. Daraus erwuchs der Treffpunkt Ehrenamt Handwerk.

Die Premiere 2015 war nicht nur ihm unvergesslich: "Wir alle sind damals begeistert und bereichert nach Hause gegangen", erinnerte Moderatorin Michaela Padberg an berührende Geschichten, die es am Teilnehmer-Tisch zu hören gab. Eine dieser Ehrenamts-Erzählungen ging so tief, dass sie auch bei der Veranstaltung 2016 noch einmal im Mittelpunkt stand: Der Düsseldorfer Bestatter Volker Dischleid erhielt den neu geschaffenen Ehrenamtspreis NRW für seinen freiwilligen Einsatz bei der Bergung der Opfer des Germanwings-Absturzes und vor allem für die dann folgende Idee, mit einem Verein auch künftig Retter zu unterstützen, die sich selbstlos bei Unglücken oder Katastrophen einsetzen. Den mit 5000 Euro und einer Glasskulptur dotierten Preis stiftete das NRW-Wirtschaftsministerium. Geschaffen hatte das "Schmelzobjekt" die junge Tanja Tiemann, die die Glasfachschule Rheinbach besucht.

Ohne Rückendeckung durch die Familie geht es nicht

Ehrenamtstag2 RolfGoebelsWHKTIn Gegenwart zahlreicher Gäste, darunter Bundes- und Landtagsabgeordnete sowie Raesfelds Bürgermeister Andreas Grotendorst, Hans Hund, Präsident der Handwerkskammer Münster, und Felix Kendziora, Vizepräsident des Westdeutschen Handwerkskammertags, bot auch diese zweite Talkrunde einen bunten Querschnitt, wie und wo sich Handwerker berufsständisch, aber eben auch anderswo für Mitmenschen einsetzen. Sie alle seien Vorbilder, so Minister Duin, der gerade dieses Vorleben von Engagement als bestes Rezept befand, auch künftig Menschen für das Ehrenamt zu begeistern. Ging es nach dem Beifall für die Fünf am Talk-Tisch, dann waren ihre Geschichten nachhaltige Anregungen, mit dem eigenen Fachwissen, vor allem aber mit Herzblut Dinge zu bewegen und zum Guten zu wenden.

Willy Hesse, Präsident des WHKT, machte den Anfang: Die Aufzählung aller Ehrenämter – von der Freiwilligen Feuerwehr bis zu einer ehrenamtlichen Schulleitung – ließ auch Moderatorin Padberg staunen. Dass so ein Engagement ohne die Rückendeckung durch die Familie aber kaum möglich sei, daran ließ Dachdeckermeister Hesse keine Zweifel. Seine Ehefrau sorgte für Lacher, als sie verriet, dass ihr der Gatte vorsichtshalber "vor der Übernahme eines neuen Amtes meistens nichts gesagt" habe.

"Nicht auf den Schultern der Armen stehen"

Die einzige Frau in der Gesprächsrunde war Friseurmeisterin Renate Antony aus Werdohl, die neben Ehrenämtern in Innung und der Kreishandwerkerschaft viele Kräfte für ihre Kirchengemeinde aktiviert: "Kraft und Ruhequelle" biete ihr der Glaube, für den sie sich vom Küsterdienst bis zum Vorsitz im Pfarrgemeinderat einsetzt. "Es tut mir gut, etwas für andere zu tun", so ihr einfaches, doch beeindruckendes Fazit.

Den Blick über den eigenen Kirchturm hinaus weitete dann Timothy C. Vincent, Bildhauer aus Wetter. Der gebürtige Engländer ist seit 2003 selbstständig und hat den Verein "Handwerk mit Verantwortung" mit gegründet. Der Zusammenschluss repräsentiere Menschen und Betriebe mit einer nachhaltigen Grundhaltung, so Vincent, der ökonomische, ökologische und soziale Gesichtspunkte für seine Arbeit in den Vordergrund stellt. "Kinderarbeit an Grabsteinen, fehlender Arbeitsschutz in Steinbrüchen oder ungerechte Löhne wollen wir nicht unterstützen", so Vincent. "Nicht auf den Schultern der Armen stehen zu wollen", dafür gab es viel Beifall.

Nicht immer nach dem Staat rufen

Mit ganz viel Herz und innerem Antrieb für sein stationäres Düsseldorfer Kinder- und Jugendhospiz zeigte sich Norbert D. Hüsson, ehrenamtlicher Vorsitzender des Hospiz-Fördervereins. Man dürfe nicht immer nach dem Staat rufen, so erläuterte er seinen Einsatz, der ebenso die Öffentlichkeitsarbeit wie die Spendenakquise, aber auch die Begleitung der Familien - besonders der Geschwisterkinder - im Hospiz gilt.

Augenoptiker-Meister Michael F. Firmenich aus Rheinbach führte die Zuhörenden schließlich nach Afrika: Seit vielen Jahren engagiert er sich in Togo. Aus dem persönlichen Erleben bei einer Reise entstand eine ständig wachsende Hilfsbereitschaft. Was mit Schulmaterialien von Kreide bis Papier begann, wuchs bis heute auf den Bau von Kitas, Brunnen, Toiletten, Berufsausbildungszentren und Patenschaften hinaus. Runde 700.000 Euro hat der kleine Verein "Togohilfe Rheinbach" bisher an Spenden gesammelt. Vom eigenen Einsatz an Brillengaben für Kinder ganz abgesehen. Dass eines Tages viele Erwachsene bei seinem Besuch Schlange standen, um auch eine Lesebrille zu bekommen, verstand Firmenich erst nach und nach: Die Analphabeten hofften auf die Sofort-Wirkung der "Lese"-Brillen.

Text: Heike Hänscheid


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21.09.2016
Quelle: Mit Engagement fürs Ehrenamt begeistern
http://www.handwerksblatt.de/politik-wirtschaft/27-handwerkspolitik/5001649-mit-engagement-fuers-ehrenamt-begeistern.html