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Syrer arbeitet in Simmertaler Steinmetzbetrieb

Von Klaus Pfrengle


© Bild: Klaus Pfrengle
SIMMERTAL - Der Schwingschleifer gleitet unter den wachen Augen von Ahmad Hassan mit äußerster Präzision über einen grauen Granit. Der edle Stein soll Blickfang einer Grabstätte werden. "An den Kanten muss ich noch ein wenig nacharbeiten", sagt Hassan, der diese Art von typisch deutscher Genauigkeit von Haus aus nicht gewohnt ist. "Im elterlichen Steinmetz-Betrieb in Aleppo haben wir nicht so viel Wert auf handwerkliche Präzision gelegt", ergänzt er in gut verständlichen Worten. Für ihn ist es allerdings kein Problem, sich den Standards seiner neuen Arbeitgeber Jochen und Nico Barth aus Simmertal anzupassen.

Abschluss des Deutschkurses ist ein wichtiger Schritt

Die haben den 31-jährigen geflüchteten Syrer nach einer kurzen Probezeit seit November fest eingestellt. Dass er über ein hohes Maß an handwerklichem Geschick verfügt, darüber gab es schon nach dem ersten Praktikum im Sommer keinerlei Zweifel. Doch erst als Hassan seinen Deutschkurs im Oktober beendete, war auch die letzte Hürde genommen und der Weg frei für eine von beiden Seiten angestrebte Festanstellung.

"Ahmad ist jetzt ein vollwertiges Mitglied in unserem Team", freut sich Jochen Barth vor allem darüber, dass er den regionalen Handwerksbetrieb um seinem orientalischen Blickwinkel bereichert. "Für uns ein Gewinn und Mehrwert", ist sich Barth sicher. "Ahmad schaut nicht auf die Uhr, ist ehrgeizig, hilfsbereit, guten Willens und überaus pflichtbewusst", überzeugen Nico Barth vor allem die persönlichen Charakterzüge des Neu-Kirners.

Nico Barth war es auch, der in seiner Funktion als Geschäftsführer den Kampf mit den bürokratischen Hürden ausfechten musste. Doch der Aufwand habe sich jetzt schon gelohnt.

Die vielen Vorschusslorbeeren seine Person betreffend sind dem zurückhaltenden Neuankömmling eher unangenehm. "Ich will meine Arbeit gut verrichten und jeden Tag dazulernen", gibt er sich bescheiden. Und auch wenn seine Kollegen ihm den Einstieg erleichtern, sei er bei weitem noch nicht an seiner neuen Wirkungsstätte vollständig angekommen. An viele innerbetriebliche Abläufe müsse er sich erst noch gewöhnen.

Auch nach Feierabend, den Hassan zumeist alleine in seiner kleinen Wohnung in Kirn verbringt. Doch Langeweile komme nicht auf. Im Gegenteil: Momentan kämpfe er sich durch die Führerscheinprüfung, um schnellstmöglich Auto fahren zu können. "Mein Ziel ist ein eigener Wagen," verrät Hassan.

Vor zwei Jahren hat sich Hassan auf den Weg nach Deutschland gemacht. Alleine, wie er betont. Hassan ist geschieden, seine drei Kinder ließ er bei den ebenfalls geflüchteten Eltern im Libanon zurück. Er genießt unbefristetes Aufenthaltsrecht, ein Status, der ihm in seiner "neuen Heimat", wie er sagt, eine gewisse Lebensplanung erlaubt. Seine Zukunft sieht er dauerhaft in Deutschland. "Bei uns kann er gerne bleiben", planen die Brüder Barth langfristig mit ihrem neuen Mitarbeiter. Hassan kommt gerade in einer Phase, in der es betriebswirtschaftlich gut läuft.


Stolz auf Erhalt eines Nachhaltigkeitspreises


Besonders stolz ist das ganze Team auf den Erhalt eines Nachhaltigkeitspreises als Mitglied des Vereins "Handwerk mit Verantwortung". Der lebt eine Philosophie, die zu dem jungen Unternehmen passt. Die Steinmetze greifen weitgehend auf regionale Materialien zurück. Durch eine aufklärende Beratung in den letzten Jahren habe man auch im Grabbereich den Import zu einem großen Teil reduzieren und somit sicherstellen können, dass beim Abbauprozess alle Menschenrechte eingehalten werden. Das restliche Material von Übersee beziehe das Unternehmen über zertifizierte Händler. "Wir wollen nicht auf Kosten anderer leben und arbeiten und leisten dazu unseren Beitrag", erklärt Nico Barth.

"Der "Blick über den Tellerrand" und Transparenz über Bestandteile und Lebensweg von Waren und Dienstleistungen - das sollte selbstverständlich sein bei Beziehungen, die Produzenten und Konsumenten eingehen", heißt es in der Laudatio bei der Preisübergabe an den gesamten Verein. Jochen Barth: "Bewusst und fair produzieren und bewusst einkaufen sind für uns keine Selbstläufer, vielmehr Auftrag und Programm."




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26.12.2017
Quelle: Allgemeine Zeitung: Syrer arbeitet in Simmertaler Steinmetzbetrieb
http://www.allgemeine-zeitung.de/lokales/kirn/vg-kirn-land/simmertal/syrer-arbeitet-in-simmertaler-steinmetzbetrieb_18410325.htm